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Barca holt langersehnten Titel

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Arsenals Torhüter Jens Lehmann war die tragische Figur im 50. Finale des höchsten europäischen Vereinswettbewerbs. So wurde der deutsche Nationalkeeper nach einem Foul an Barcelonas Stürmer Eto'o außerhalb des Strafraums in der 22. Minute des Feldes verwiesen, was den favorisierten Katalanen schließlich ihren ersten Champions League-Sieg seit 1992 bescherte.

Dabei hätte der Schiedsrichter in der Szene Mitte der ersten Halbzeit ruhig den Vorteil abwarten können, denn vom gefoulten Kameruner gelangte der Ball zu einem Spieler des spanischen Meisters, der aus wenigen Meter ins Tor schießen konnte. So entschied der Norweger Hauge nur auf Freistoß, der allerdings nichts einbrachte. Vor der Hinausstellung hatten sich die "Gunners" leicht feldüberlegen gezeigt und waren bereits nach drei Minuten durch Henry zu einer Großchance gekommen. Im weiteren Verlauf der Partie, die nun einen völlig anderen Charakter bekam, verlegten sich die Londoner aber fast nur noch auf die Defensive und setzen den einen oder anderen Konter.

Darunter litt das Niveau der Auseinandersetzung, von der man sich im Vorfeld so viel versprochen hatte, ein wenig, ohne dass das Spiel jedoch richtig schlecht und langweilig gewesen wäre. Die Engländer konnten nicht nur in der ersten Hälfte mit Hilfe ihrer Abwehrtaktik den Spielstand von 0:0 beibehalten, nein, sie erzielten in der 37. Minute gar das Führungstor (Campbell per Kopf nach einem Eckstoß), was dem Match zusätzlich eine interessante Note verlieh.

Bis zur Halbzeit blieb es beim knappen Arsenal-Vorsprung, doch nach dem Wechsel ergab sich das gleiche Bild und es spielte quasi Abwehr gegen Angriff. Weit über eine Stunde war alsbald absolviert und das in dieser Champions League-Saison noch ungeschlagene Barcelona fand kein Mittel gegen die hinten recht sicher stehenden Final-Debütanten. Auch der für Lehmann in die Partie gekommene Ersatztorwart Almunia , für den ein untröstlicher Pires weichen musste, machte seine Sache lange Zeit gut. Die Iberer hatten zwar zu jeder Zeit deutlich mehr Ballbesitz zu verzeichnen, ließen es jedoch heute über weite Strecken an der notwendigen Kreativität missen.

So wären die auf zehn Spieler dezimierten Londoner mit der einzigen Strategie die sie verfolgen konnten, auch beinahe zum Erfolg gekommen. Beinahe hätte sich nach dem FC Liverpool 2005 erneut eine englische Mannschaft in die Siegerliste eingetragen. Spät, aber nicht zu spät wurde die von Trainer Rijkaard verlangte Geduld schließlich belohnt und die spanische Weltauswahl kam, aufgrund der Spielanteile sicher verdient, doch noch zu Toren. Mit einem Doppelschlag (Eto'o; 77. und der eingewechselte Belletti durch die Beine von Almunia; 80.) drehte Barca die Begegnung mit schön herausgespielten Treffern aus dem Spiel heraus zu seinen Gunsten. Der Schwede Larsson war nach einer Stunde gekommen und bereitete mit zwei Geistesblitzen sowohl das 1:1 als auch das 2:1 vor.

Damit gibt es in diesem Sommer zwei spanische Europapokalsieger, nachdem der FC Sevilla vor einer Woche schon den UEFA-Cup gewonnen hatte. Im ausverkauften Pariser Stade de France sahen wir insgesamt kein überragendes Endspiel, jedoch immerhin eines mit einem interessanten Spielverlauf bzw. eines, das nicht vollkommen normal verlief. Ab morgen werden dann die Vereins- gegen die Nationalmannschaftstrikots ausgetauscht, denn die WM in Deutschland beginnt in 23 Tagen und die meisten der am Finale beteiligten Akteure werden sich nun intensiv auf die Weltmeisterschaft mit ihren Ländern vorbereiten. Joker Larsson steht gemeinsam mit seinem heutigen Widersacher Ljungberg im Kader Schwedens, eines möglichen deutschen Achtelfinalgegners. Für Jens Lehmann gilt es sicher, dieses Negativerlebnis, verbunden mit der frühen Roten Karte, so schnell wie möglich aus dem Kopf zu bekommen und sich im Kreise der Nationalelf Mut und Trost zusprechen zu lassen.

17. Mai 2006 - Martin Busch

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