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Entscheidungen erwartet

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Zwei Spieltage haben die 18 Bundesligateams noch zu absolivieren, ob der letzte auch der entscheidende sein wird, zeigt uns heute der vorletzte. Oder anders ausgedrückt: die Chancen stehen nicht schlecht, dass schon an diesem 33. Spieltag alle wichtigen Plätze vergeben werden und wir uns in der kommenden Woche auf Sommer-, Feier- und Trauerfußball einstellen können.

Die Entscheidungen des Tages
Bevor es ans Eingemacht geht, sei allgemein für die mit dem Fußball nicht so vertrauten Leser gesagt, dass in diesen zwei Spielen für jede Mannschaft noch genau sechs Punkte möglich sind - logischerweise dann, wenn beide Partien gewonnen werden.

Meistertitel - Platz 1
Aktuell: Bayern München
Noch möglich: Hamburger SV

Der Vorsprung der Bayern auf den HSV beträgt nicht weniger als fünf Punkte, was die Ausgangslage doch sehr überschaubar macht. Für Hamburg bedeutet das: die Spiele in Berlin und gegen Bremen müssen gewonnen werden, auch nur ein Unentschieden macht München zum 20. Mal zum Deutschen Meister. Aber selbst im best möglichen Fall wären die Hanseaten auf Schützenhilfe angewiesen, und zwar von den Bayerngegnern Lautern und Dortmund. Aus beiden Paarungen müssen zwei Punkte geholt werden, reichen würde also ein Sieg oder zwei Unentschieden; gelingt nur ein einziges Remis, dann müsste Hamburg mit seinen beiden Siegen mit insgesamt zehn Toren Vorsprung gewinnen. Relativ unwahrscheinlich, daher heißt die Devise eindeutig: Hamburg gewinnt alles, München verliert alles und nur dann sehen wir einen anderen Meister als im Vorjahr.
Prognose: Der Titel geht auch in diesem Jahr in die bayerische Hauptstadt.

Direkte Champions League-Teilnahme - Platz 2
Aktuell: Hamburger SV
Noch möglich: Werder Bremen (München von oben)

Auch wenn der Meistertitel für den HSV außer Reichweite zu sein scheint, darf man sich zumindest über die Vizemeisterschaft freuen. Diese kann nur noch von Werder Bremen streitig gemacht werden, der ewige Rivale aus der Hansestadt steht vier Punkte hinter Hamburg. Eigentlich würde fast das zuvor Gesagte übertragen werden können, hielte nicht der Spielplan ein besonderes Leckerli parat, denn beide Kontrahenten stehen sich in der kommenden Woche im Showdown direkt gegenüber. Bremen hat die bessere Tordifferenz, muss also heute einen Punkt auf Hamburg gutmachen, um dann nächste Woche mit einem Sieg sicher Zweiter zu werden. Einen Punkt gutmachen heißt in dem Fall entweder selber gewinnen und Hamburg nicht oder aber ein Unentschieden holen bei zeitgleicher Niederlage des HSV. In beiden Fällen wäre ein Sieg in der AOL-Arena obligatorisch. Gewinnt jedoch Hamburg heute sein Spiel in Berlin, dann wird das Nordderby zum Freundschaftsspiel.
Prognose: Hamburg setzt sich gegen die Grün-Weiß-Orangen von der Weser durch.

Champions League-Qualifikation - Platz 3
Aktuell: Werder Bremen
Noch möglich: FC Schalke 04 (Hamburg von oben)

Nicht viele Worte muss man verlieren zu Rang 3, der in Deutschland zu einem Duell in der Champions League-Qualifikation berechtigt, wodurch der Verein entweder in die Königsklasse vorstößt oder dem UEFA-Cup zugeordnet wird. Hier liegt Werder Bremen nicht nur sechs Punkte, sondern auch 19 Tore vor Schalke 04 und kann demnach nur noch verdrängt werden, wenn beide Spiele in die Hose gehen, Schalke wiederum beide gewinnt und im Gesamtverhältnis eben jene 19 Treffer aufgeholt werden. Würde also im Schnitt ein 5:0 pro Spiel bedeuten und kann der Rechenspielerei zugeordnet werden.
Prognose: Langeweile auch hier, Bremen wird Qualifikant.

1. UEFA-Cup-Teilnehmer - Platz 4
Aktuell: FC Schalke 04
Noch möglich: Keiner (Bremen von oben)

Schafft Schalke das Unmögliche, landet Werder nur im UEFA-Cup.
Prognose: Nö.

2. UEFA-Cup-Teilnehmer - Platz 5
Aktuell: Bayer Leverkusen
Noch möglich: Hertha BSC Berlin, Borussia Dortmund

Der in dieser Saison am meisten umkämpfte Platz war der fünfte, zeitweise schalteten sich bis zu neun Teams in die Auseinandersetzungen ein. Mittlerweile hat sich das Feld gelichtet und nur noch drei Vereine haben die Möglichkeit, als letzter Bundesligaclub Eintracht Frankfurt in den UEFA-Cup zu folgen. Kurz abhandeln kann man die Chancen von Borussia Dortmund, denn der BVB wird nur Fünfter, wenn die Spiele gegen Frankfurt und München gewonnen werden und zeitgleich Leverkusen beide Spiele verliert, Berlin nur einen Punkt holt und dann wäre da noch die Sache mit dem Torverhältnis von 12 Treffern Unterschied. Oder mit anderen Worten: Wenn Dortmund direkt in den UEFA-Cup kommt, dann schafft auch Köln noch den Klassenerhalt, weil den Bayern die Lizenz entzogen wird. Bleibt also noch Berlin, um Leverkusen den Rang abzulaufen, doch auch hier dominiert das Fußballwunder und kann bei den fünf Punkten Differenz nahezu 1:1 übernommen werden, was zu München/Hamburg gesagt wurde.
Prognose: Leverkusen gelingt der versöhnliche Saisonabschluss, zumal auch das Restprogramm mit Hannover statt Hamburg etwas leichter ist.

UI-Cup - Platz 6
Aktuell: Hertha BSC Berlin
Noch möglich: Borussia Dortmund, VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg (Leverkusen von oben)

Den UI-Cup will eigentlich keiner, aber man nimmt ihn dann doch irgendwie mit und hofft auf den UEFA-Cup. In diesem Jahr nimmt nach dem neuen Modus nur der Tabellensechste am UEFA Intertoto Cup teil, steigt in der dritten Runde in den Wettbewerb ein und kommt im Falle eines Sieges in die zweite und letzte UEFA-Cup-Qualifikationsrunde. Heißt also, dass der deutsche Vertreter vier Spiele zu absolvieren hat, was im Vergleich zu früheren Jahren ein enormer Fortschritt ist. Andererseits wird der UI-Cup schon während der Weltmeisterschaft gespielt, die deutsche Runde ist in der Woche nach dem Finale. Auch der potenzielle Gegner steht grob schon fest, er kommt aus Kasachstan, Weißrussland oder Russland, was eine schöne Reise für die Profis bedeutet. Doch soviel dazu, viel interessanter ist am heutigen Tage, wer überhaupt der Glückliche sein wird. Stuttgart und Nürnberg haben je fünf Punkte Rückstand, können also an dieser Stelle vernachlässigt werden, auch wenn Nürnberg noch gegen die Hertha spielt. Dortmund und Berlin hingegen liefern sich noch einen heißen Fight, denn nur ein Punkt trennen die Westfalen von den Hauptstädtern bei gleicher Tordifferenz. Dortmund tritt noch gegen Frankfurt und München an, Berlin wie gesehen gegen Hamburg und Nürnberg, sodass man durchaus von gleichen Voraussetzungen sprechen kann und jetzt der Charakter über Wohl und Wehe entscheidet. Neben dem dritten Abstiegsplatz ist dieser UI-Cup-Platz die große Hoffnung auf Spannung am letzten Spieltag, auch wenn über seine Wichtigkeit gestritten werden kann.
Prognose: Dortmund ist nach zwei Siegen deutlich motivierter und einsatzfreudiger als die Herthaner, die im Endspiel um Rang 5 eine bittere 1:5-Niederlage hinnehmen mussten, daher spricht einiges dafür, dass der BVB sich noch im letzten Moment vorbeischieben kann und wie im Vorjahr Deutschland im UI-Cup vertritt.

Die Todeszone - Platz 7-15
Sicher dabei: Borussia M'Gladbach, Arminia Bielefeld

Sehen wir es positiv: Gladbach und Bielefeld können ihre Nerven schonen und entspannt die Fernseher für die WM bereitstellen. Beide Vereine können weder international mitspielen noch absteigen und verdienen daher in diesem Text keine weitere Beachtung.

Abstieg in die zweite Liga - Platz 16-18
Aktuell: 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Köln, MSV Duisburg
Noch möglich: (als Ersatz für Lautern) VfL Wolfsburg, 1. FSV Mainz 05, Eintracht Frankfurt, Hannover 96

Und zu guter Letzt der Blick auf den Abstiegskampf, zwei Entscheidungen sind hier bereits gefallen: der 1. FC Köln wie auch MSV Duisburg verbleiben nur ein Jahr in der Bundesliga und freuen sich jetzt auf Augsburg. Um den dritten Abstiegsplatz bewerben sich hingegen noch ganze fünf Teams, von denen wir Hannover (36 Punkte) und Frankfurt (35 Punkte) der Einfachheit halber einmal ausschließen wollen. Der Abstieg der Hannoveraner würde eine doch schon sehr an der Haaren herbeigezogene Konstellation benötigen und auch die Eintracht braucht nur noch einen Punkt, muss aber wiederum bei zwei Niederlagen etwas ernsthafter zittern. Bleiben also Mainz mit 34 Zählern, Wolfsburg (33) und Kaiserslautern schließlich hat 31 Punkte auf dem Konto. Die Rheinhessen haben mit Schalke und Duisburg geteilte Aufgaben vor der Brust, sollten aber zumindest gegen den Absteiger aus dem Rheinland gewinnen und so die Liga sichern. Bei Wolfsburg und Kaiserslautern könnte es knapper kaum sein, denn nach den Spielen gegen Stuttgart bzw. München steht am letzten Spieltag das Finale im direkten Duell an. Sollte die Sache bis dahin noch nicht entschieden sein, so wird wenn nicht Lautern vorher gewinnt und man selbst verliert ein Unentschieden den Wölfen helfen, die darüber hinaus Heimrecht haben. Die Prognose geht jedoch trotzdem in Richtung Kaiserslautern, da davon ausgegangen werden kann, dass beide Vereine heute ihre Spiele verlieren und die auswärts stärkeren Pfälzer dann in Volkswagen-Arena beweisen, dass der VfL in diesem Jahr wackelt und taumelt und dann letztlich auch fällt. Möglich ist aber auch das komplette Gegenteil, denn wenn Lautern gegen die Bayern den Kürzeren zieht und Wolfsburg in Stuttgart Moral beweist, dann steht der Absteiger schon heute fest. Damit dann aber auch genug der wilden Spekulationen und teils üblen Rechenspielereien, denn entscheidend ist immer noch auf'm Platz und da geht es an neun Schauplätzen heute um 15:30 Uhr ordentlich zur Sache.

06. Mai 2006 - Marcel Hermes

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