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Ein Punkt? Sieben Punkte? Oder etwas dazwischen?

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Vier Spiele muss jeder Bundesligist noch absolvieren, dann steht die Abschlusstabelle und mit ihr alle wichtigen Positionen fest. Besonderes Augenmerk verdient natürlich wieder einmal der Titelkampf, die Bayern spielen in Mainz, Hamburg hat mit Leverkusen eine harte Nuss vor der Brust und es wird sich zeigen, ob beide Teams hinterher einer oder doch sieben Punkte trennen.

Fast schon eine ungewohnte Situation für den Hamburger SV, denn diesmal müssen die Hanseaten vorlegen. Am Samstag spielt der HSV gegen Bayer Leverkusen um die Meisterschaft, erst einen Tag später muss Bayern München dann in Mainz nachlegen. Voraussetzung für ein ernsthaftes Eingreifen in den ureigensten Bereich der Bayern ist also ein Sieg gegen Leverkusen und dieser dürfte sich nicht ganz so leicht bewerkstelligen lassen. Viermal in Folge gewann Leverkusen und konnte sich damit aus der Versenkung heraus bis auf den heiligen fünften Platz vorarbeiten, möchte jetzt gegen Hamburg natürlich den UEFA-Cup-Platz festigen. Personell kann Trainer Skibbe fast aus den Vollen schöpfen, das System funktioniert und so wird man sich in der AOL-Arena sicher nicht verstecken. Der HSV seinerseits hat zwar die letzten drei Heimspiele gegen die Werkself gewonnen, wird aber derzeit von Verletzungssorgen geplagt und muss neben van Buyten, Wicky, Beinlich, de Jong und Jarolim vor allem auf Rafael van der Vaart verzichten, der nach einem letzten Test endgültig mit einer Knöchelreizung absagen musste. Es sieht also alles andere als rosig für Hamburg aus, selbst die Titeleuphorie dürfte wenig wettmachen, dazu spielt man die eigenen Ambitionen nur allzu gekonnt runter. Warten wir also ab, wie sich eine Hamburger Rumpfelf gegen eines der formstärksten Teams der Liga behauptet und entscheiden wir dann, ob es noch eine Möglichkeit gibt, die Bayern noch aufzuhalten. Diese werden offiziell nicht einmal ansatzweise das Hamburgspiel verfolgen, vermutlich setzt Magath zufällig ein zeitgleiches Training an und zeigt der Welt, dass seine Bayern nicht den Hauch von Zweifel an der eigenen Stärke aufkommen lassen. In der Tat ist der eigene Auftritt in Mainz wichtiger als jedes andere Spiel, denn aus eigener Kraft heraus kann Hamburg nicht mehr aufschließen und so muss München nur die Pflichtaufgabe in Rheinhessen erfüllen. Mainz wird da etwas dagegen haben, kämpft mit drei Punkten Vorsprung noch um den Klassenerhalt und hat bereits im Hinspiel wie im DFB-Pokal gezeigt, dass man in der Allianz-Arena mithalten kann. Jetzt darf man sogar zu Hause ran und könnte am Bruchweg das Zünglein an der Meisterwaage sein.

Das zweite Sonntagsspiel hat es ebenfalls in sich, hier treten Bremen und Schalke zum Duell um den dritten und damit zur Champions League-Qualifikation berechtigenden Platz an. Die Norddeutschen haben sechs Punkte Vorsprung und das mit Abstand bessere Torverhältnis und könnten so mit einem Sieg den Sack zumachen, während Schalke selbst im Erfolgsfalle noch auf einen Ausrutscher der Werderaner hoffen müsste. Die Knappen traten am Donnerstag im UEFA-Cup an und dürften so konditionell im Hintertreffen sein, verfügen ohnehin nicht über die beste Form und werden es im ausverkauften Weserstadion sehr schwer haben. Bremen hat keinen Grund zu Selbstzweifeln, geht als Favorit in die Begegnung und hat auch ohne Frings gute Chancen auf das Saisonziel, vielleicht geht ja sogar noch etwas nach oben, schließlich kommt es am letzten Spieltag zum direkten Duell mit Hamburg. In Sachen UEFA-Cup hat Schalke hingegen nichts mehr zu befürchten, anders als dahinter Leverkusen, das von punktgleichen Berliner unter Druck gesetzt wird. Die Hertha muss in Gladbach ran, Stuttgart spielt gegen Frankfurt und will dort die letzte Chance wahren. Damit hat sich das Verfolgerfeld nach den letzten Spieltagen erheblich gelichtet, denn Dortmund, Gladbach und Hannover dürften raus aus dem Rennen sein, Nürnbergs Aufholjagd kommt zu spät.

Eine Vorentscheidung steht uns im Abstiegskampf bevor. Für Köln und Duisburg ist im Grunde auch schon vor diesem Spieltag alles gelaufen, jetzt jedoch trifft man sich Aug in Aug und der Verlierer kann sich auf die zweite Liga freuen. Rechnerisch wäre dann zwar noch etwas möglich, doch die langjährige Bundesligageschichte lehrt, dass jegliche Hoffnung unbegründet wäre. Also klammern sich beide wie schon in den letzten Wochen gewissenhaft an den allerletzten Strohhalm, bereiten sich intensiv auf den Showdown vor und hoffen inständig auf Niederlagen von Frankfurt, Mainz, Lautern und Wolfsburg. Realistisch gesehen spielen diese Mannschaften den Abstiegskampf tatsächlich unter sich aus, jedoch nur auf Basis des drittletzten Tabellenplatz, während die beiden Ränge darunter nicht mehr zur Disposition stehen. Kaiserslautern hat die schlechtesten Karten mit drei Zählern Rückstand, bekommt Besuch aus Hannover. Dort hatte man sich schon im UEFA-Cup gewähnt, steht jetzt im tiefsten Mittelfeld, kann sich aber mit einer Niederlage bei den Roten Teufeln einen Hauch Abstiegsgespenst mit nach Niedersachsen holen. Wolfsburg möchte in Bielefeld zumindest punkten, um auch im nächsten Jahr Topgegner in der VW-Arena begrüßen zu können, steht aber als gefühlter dritter Absteiger fest.

21. April 2006 - Marcel Hermes

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