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Spitzenspiel am Weserufer

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Sechs Spieltage dauert die Saison noch an, vielleicht steht am Wochenende die Vorentscheidung im Meisterrennen an. Bremen empfängt Spitzenreiter München zum Topspiel und möchte bei einem Sieg der Hamburger einen Tag später gegen Gladbach den Titelkampf spannend gestalten. Gewinnt jedoch München und Hamburg nicht, dürfte der Meister feststehen.

Die derzeitige Lage an der Spitze sieht wie folgt aus: München führt mit 66 Punkten das Feld an, dahinter folgt Hamburg mit 59. Schon etwas abgeschlagen Bremen mit 56 und Schalke hat sämtliche Titelhoffnungen nach der Pleite gegen den HSV bei 52 Zählern begraben. Sieben Punkte beträgt also der aktuelle Vorsprung, deren vier könnten es werden und dann hätte die Liga einen echten Showdown kurz vor der Weltmeisterschaft. Doch das ist Zukunftsmusik, entscheidend ist doch immer wieder auf dem Platz, also werfen wir einen Blick nach Bremen. Dort bereitet man sich gewissenhaft auf das Schlagerspiel vor, weiß aber auch, dass der Blick eher nach unten gehen sollte. Die Champions League ist das erklärte Ziel, der zweite Platz also schön, aber der dritte würde auch irgendwo genügen und so muss man nur aufpassen, nicht noch von Schalke eingeholt zu werden. Gegen die Bayern sah kein Team so gut aus wie die Bremer, was im Hinspiel allerdings nichts nützte, als Klose zwar schon nach 36 Sekunden das Tor traf, Werder dann aber in einem überragenden Spiel noch drei Treffer hinnehmen musste. Das soll diesmal anders laufen, dazu vertraut Thomas Schaaf im Sturm auf Valdez und Klose, der sich mit dem Gedanken einer fünften Gelben Karte vertraut machen muss. Die Bayern ihrerseits fahren locker und frohen Mutes nach Bremen, wohl wissend, dass der sichere Titel hier ein letztes Mal zur Disposition steht. Oliver Kahn kann nach seinem Kurzeinsatz gegen Köln wieder von Anfang an spielen, Lizarazu muss passen und auch hier ist ein Starspieler gelbgefährdet, denn Michael Ballack hat schon neun Karten auf dem Konto. Es wird sich also zeigen, ob jegliche Hoffnung auf Spannung vergebens war oder sich doch die Werderaner hier durchsetzen können, möglich ist es auf alle Fälle.

Die Bayernniederlage wäre jedoch nur nettes Beiwerk, wenn nicht der Hamburger SV am Sonntag auch nachlegen könnte. So oder so, für Hamburg zählt gegen Mönchengladbach nur ein Dreier, um den zweiten Platz zu sichern und sich auf die Königsklasse einzuschießen. In dieser Hinsicht wäre es gar von Vorteil, wenn München gewinnen würde, also stellt sich die philosophische Frage nach der Taube auf dem Dach oder dem Spatz in der Hand - Thomas Dolls Entscheidung dürfte freilich klar sein. Für Gladbach steht nach dem Sieg gegen Dortmund vergangene Woche wieder mehr auf dem Spiel, hier keimen wieder leichte UEFA-Cup-Hoffnungen hoch, schließlich steht man mit drei Punkten Rückstand auf dem achten Platz. Dass es dazu am Ende nicht reichen wird, dürfte die Köppeltruppe schon an diesem Spieltag feststellen, denn gegen einen zielstrebigen HSV mit einem wiedererstarkten Ailton wird ein Punktgewinn nicht möglich sein. Ähnlich sehen die Verhältnisse in Duisburg aus, wo mit Schalke 04 der Vierte im Bunde am Sonntag ins Champions League-Rennen eingreift. Die Kräfteverhältnisse sind klar und dennoch könnten leichte Zweifel an einem Schalkesieg aufkeimen. Nicht nur, dass die Knappen das Europapokalspiel in den Beinen haben, sie müssen nun in die MSV-Arena zu einem unberechenbaren Gegner. Unberechenbar deshalb, weil Duisburg realistisch betrachtet zwar schon so gut wie abgestiegen ist, aber so kurz vor der Ziellinie noch einmal einen Trainerwechsel probierte und so immerhin mit dem Mut der Verzweiflung agiert. Lange wurde diskutiert, ob Jürgen Kohler wie vom Verein gewünscht auch in der zweiten Liga bleibt, nun hat sich die Frage geklärt und Nachfolger Heiko Scholz wird sein Team zu motivieren wissen. Doch auch damit lernen die Spieler keinen guten Fußball, Schalke gewinnt und träumt weiter von einer erneuten Champions League-Teilnahme.

Womit wir beim Thema Rang fünf wären. Erstaunlich, wie viele Mannschaften noch ernsthaft auf diesen magischen Platz hoffen und traurig, dass keine von ihnen höhere Ziele anpacken kann. Auch an diesem Spieltag steht wieder ein direktes und vorentscheidendes Duell auf der Tagesordnung, Bayer Leverkusen muss zur Dortmunder Borussia. Ein Punkt liegen die Rheinländer vor den Westfalen und nur noch Berlin ist aktuell vor den Kontrahenten vom Samstag. Der vergangene Spieltag brachte einen deutlichen Bayersieg und eine eher mäßige Dortmundniederlage in Gladbach, sodass trotz des Heimrechts der Borussen die Leverkusener als leichte Favoriten ins Spiel gehen. Die Torflaute beim BVB soll Matthew Amoah beheben, der erstmals von Beginn an aufläuft. Berlin dürfte sich am meisten über ein Unentschieden freuen, denn dann kann man mit einem Sieg gegen Kaiserslautern den entscheidenden Schritt nach Europa machen. Das letzte Team mit ähnlichen Ambitionen ist der VfB Stuttgart, der gegen den formstarken 1. FC Nürnberg eine undankbare Aufgabe hat und sich dort wohl vom UEFA-Cup verabschieden muss.

Und zu guter Letzt der Kampf um den Ligaverbleib, hier haben sich zwei heiße Anwärter auf einen Misserfolg schon heraus kristallisiert. Köln hat acht Punkte Rückstand aufs rettende Ufer, für Duisburg sind es immerhin noch sechs und damit nach langjähriger Erfahrung zu viele. Aber auch wenn es mit dem Klassenerhalt nichts werden sollte, so könnten beide Teams zumindest die Konkurrenz ein wenig ärgern. Duisburg entscheidet wie gesehen über das Schicksal von Schalke, Köln kann den VfL Wolfsburg im heimischen Stadion zum Mitabstieg schießen. Hier sieht die Lage gar nicht gut aus, der tiefe Fall ist vollzogen und zwei Punkte Vorsprung sind gar nichts. Lautern und Mainz drücken von hinten, die Mainzer bekommen es mit den mittlerweile hoffnungslosen Hannoveranern zutun. Der dritte Absteiger wird sich demnach erst ganz zum Schluss zeigen, noch müssen vier Vereine ernsthaft zittern, moralisch ganz hinten dürften dabei die Wolfsburger sein, die aber so überhaupt keinen Fehler im System finden können. Verbleibt noch ein Spiel, bei dem es im Grunde um die Goldene Ananas geht: Bielefeld gegen Frankfurt. Der Zwölfte trifft auf den Dreizehnten, Frankfurt spielt zwar noch gegen Abstieg, dürfte aber mit einem Sieg ganz gute Chancen haben. Dennoch ist das Spiel von erhöhter Wichtigkeit, denn nur drei Tage später treffen sich beide Teams erneut, diesmal in der Commerzbank-Arena und spielen um den Einzug ins DFB-Pokal-Finale. Der Pokalsieg alleine wäre schon Ansporn genug, doch es geht für Bielefeld und Frankfurt um mehr: kommt Bayern ins Finale und landet in der Liga unter den ersten Dreien (was zugegeben nicht allzu unwahrscheinlich ist), dann steht der Gewinner des Spiels am Dienstag sicher im UEFA-Cup. So dürfte das Spiel am Samstag nur Schaulaufen und gegenseitiges Begutachten sein, ehe es im nächsten Aufeinandertreffen dann wirklich um einiges geht.

07. April 2006 - Marcel Hermes

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