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Geht die Aufholjagd weiter?

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Seit dem zweiten Spieltag führt Bayern München mit nur einem Spieltag Unterbrechung die Bundesliga an, ließ bei zeitweise zehn Punkten Vorsprung kaum Zweifel an der eigenen Stärke aufkommen. Doch nun konnte sich zumindest der HSV anschleichen, hat nur sechs Punkte weniger und blickt zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben. Gibt es bald einen Führungswechsel?

Die schlimmsten Befürchtungen sind beim FC Bayern nicht eingetroffen, das Schalkespiel wurde so halb souverän gewonnen und nun sind die Kräfteverhältnisse wiederhergestellt. Ganz so selbstverständlich war das jedoch nicht, erst die Niederlage gegen Hamburg, dann das Debakel von Mailand und zu guter Letzt nur ein enttäuschendes 0:0 in Wolfsburg, viel deutete auf eine Schwächeperiode hin, doch mit dem 3:0 vom vergangenen Wochenende sollte das Münchner Selbstvertrauen wieder glänzen - sollte es je angekratzt gewesen sein. Sechs Zähler sind es also auf Hamburg, ganze elf auf den Dritter Schalke, womit es momentan maximal nach einem Zweikampf um den Meistertitel aussieht. Dementsprechend liegt das Augenmerk auch an diesem Samstag auf den Fernduellen der Nord- und Süddeutschen, München muss (darf) nach Duisburg, Hamburg hat mit Dortmund einen weit unbequemeren Gegner vor der Nase. Dieser nämlich kämpft nach dem Sieg über Lautern wieder um den UEFA-Cup mit und hat seit 1997 nicht mehr in der Hansestadt verloren. Tomas Rosicky steht wieder in der Startformation und auch Roman Weidenfeller kann auflaufen, sodass Trainer van Marwijk positiv das Spiel angehen kann, auch wenn die Stürmerschwäche offensichtlich ist. Über das Spiel der Bayern beim MSV Duisburg gibt es wenig zu sagen, alles andere als ein Sieg des Rekordmeisters im 50. Aufeinandertreffen wäre eine Sensation, streitet doch Duisburg mit Köln um den Titel der desolatesten Mannschaft des Jahres.

Schalke und Bremen sind mittlerweile Verfolger zweiter Klasse, müssen also mit Blick auf die Champions League gewinnen, haben andererseits von hinten kaum noch etwas zu befürchten. Die Zweiklassengesellschaft im deutschen Fußball nimmt Formen an, vierzehn Punkte hat der Fünfte Rückstand. Schalke hat nach dem Dämpfer von München mit Wolfsburg einen leichten Gegner zu Gast, der jedoch irgendwann einfach aufwachen muss, um den Abstieg, der mittlerweile das einzige Thema in der VW-Stadt ist, noch abwenden zu können. Dass dies ausgerechnet bei den formstarken Schalkern gelingt, ist unwahrscheinlich, zumal Wolfsburg in der Fremde nur noch Duisburg hinter sich hat. Schwerer wird es da schon für Werder Bremen gegen Hannover 96. Irgendwann mussten die Werderaner abreißen lassen, leisteten sich unnötige, aber aussagekräftige Niederlagen und bangen nun gar um die Champions League. Gegner Hannover kommt mit einem Sieg gegen Köln nach Bremen und hat sich erneut fangen können, hofft wie viele andere auch noch auf den UEFA-Cup. Ein Remis liegt in der Luft, auch wenn Hannover derzeit vielleicht sogar einen Tacken stärker einzuschätzen ist. Da jedoch eine Punkteteilung für keinen akzeptabel ist, könnte es Hannover Berlin und Nürnberg gleichtun, die in der nahen Vergangenheit gegen den Meister von 2004 gewonnen haben.

Und so folgt nun also der Blick auf den fünften Tabellenplatz und damit um den begehrsten Platz Deutschlands nach der Tabellenführung. Stuttgart könnte mit einem Sieg gegen Leverkusen einen direkten Konkurrenten aus dem Rennen werfen, hat dabei ganz gute Karten, schließlich musste die Werkself erst vor wenigen Tagen nach der Schmach gegen Mainz herbe Kritik einstecken. Nun ist eine Trotzreaktion möglich, die jedoch von Leverkusen nur selten auch realisiert wird. Berlin ist der nächste Gegner von Mainz, steht jedoch anders als das Bayer-Team voll im Saft und hat sich auf interessante Weise voller Mut und nie geglaubtes Vertrauen in den Trainer etwas glücklich wieder in die Siegerliste eintragen können. Dennoch wird es in Rheinhessen nicht einfach werden, zwei Siege in Folge und der Sprung aus den Abstiegsrängen weckte neue Hoffnung und dürften eine 0 auf dem Tippzettel rechtfertigen. Im letzten Samstagsspiel treffen sich die noch relativ jungen ICE-Nachbarn Köln und Frankfurt zum Showdown im RheinEnergie-Stadion. Die Gäste aus Hessen haben ein kleines Polster nach unten und können das Spiel gelassen angehen, während Köln fast schon traditionell gewinnen muss, sonst könnte der Zug dann bald auch rechnerisch abgefahren sein. Neun Punkte fehlen jetzt, zwölf könnten es werden und das hat in der Bundesligageschichte so kurz vor dem Ende keiner mehr aufholen können. Und wer die Kölner in Hannover erlebt hat, der sollte sich sicher sein, dass es auch gegen Frankfurt nichts werden wird, zu passiv und hinnehmend agierte die Geißbockelf, von Aufopferung und Abstiegskampf nichts zu spüren.

Traditionell hat so ein Bundesligawochenende auch zwei Sonntagsspiele, diesmal steht kein Spitzenspiel wie in der Vorwoche an, doch auch diesen Sonntag kann es neue Erkenntnisse geben. Kaiserslautern empfängt Mönchengladbach, Nürnberg reist nach Bielefeld. Die Partie auf der ehemaligen Alm bildet auf dem Papier wie auch im Gefühl die langweiligste und unwichtigste Partie des Spieltags, immerhin befinden sich beide Teams ohne Ambitionen nach oben oder unten in der Saisonvorbereitung für 2006/2007. Komischerweise ist die Liga in dieser Saison allerdings äußerst eng, hinter Bremen beginnt das Getummel und so haben Nürnberg wie Bielefeld auf den UEFA-Cup oder den Abstiegs nur sechs Zähler Abstand. Daher kann man durchaus von einem Richtung weisenden Spiel sprechen. Zumindest, wenn man für dieses Spiel Werbung machen will. Aber auch nur dann. Eigentlich selbst da nicht. Wie auch immer, Lautern gegen Gladbach ist da schon spannender, denn hier treffen zwei Traditionsmannschaften aufeinander, die derzeit beide den Weg zum Ufer finden wollen. Gladbach sehnt sich nach Rang 5 und dem endgültigen Durchbruch nach dem Wiederaufstieg in Deutschlands Oberklasse, während in Kaiserslautern kaum etwas zusammenläuft und der Abstieg nur mit drei Zählern mehr als aktuell Wolfsburg verhindert werden kann. Angesichts der Auswärtsschwäche von Gladbach könnte für die Pfälzer trotz zweier Rückschläge in den letzten Spielen der Sieg drin sein, er wäre so ungeheuer wichtig, wenn Mainz oder gar Wolfsburg siegen können.

24. März 2006 - Marcel Hermes

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