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Vorschau - Der 25. Spieltag

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Der 25. Bundesligaspieltag offenbart eine bis vor einer Woche noch unnötige Frage: Ist es möglich, dass Bayern München in Wolfsburg verliert? Denn auch wenn der VfL derzeit wahrlich kein ernsthafter Gegner für den Rekordmeister ist, so kann man in München nach zwei Niederlagen in Folge fast schon von einer echten Krise reden. Bremen kann gegen Berlin den Anschluss finden.

Es war eine ernüchternde Woche für den deutschen Fußball. Hatte man insgeheim gehofft, dass es diesmal im Europacup etwas besser als in den Vorjahren laufen würde, so wurde man von Dienstag bis Donnerstag eines Besseren belehrt. Zwar stehen die UEFA-Cup-Rückspiele noch aus und Hamburg wie Schalke haben noch die Möglichkeit, ihre Niederlagen umzudrehen, doch bleibt festzuhalten, dass weder Bremen trotz guter Leistung noch das sonstige Aushängeschild Bayern München in der Lage waren, unter die besten acht Teams in Europa vorstoßen zu können. Sicher ist das bei solch einem dichten Teilnehmerfeld und zweier Topgegner im Achtelfinale keine Blamage oder gar der Untergang Deutschlands, doch die fetten Jahre sind wenige Wochen vor der WM im eigenen Land vorbei, hoffen wir halt mal wieder aufs nächste Jahr. Unter besonderer Beobachtung stand am Mittwoch das Spiel der Münchner Bayern bei AC Mailand. Dort lieferte der Rekordmeister eine vor allem in der Verteidigung indiskutable Leistung ab und flog mit 1:4 hochkant aus der Champions League. Felix Magath mag da noch so sehr an den Schiedsrichterentscheidungen hadern, der Trend aus dem Spiel gegen den HSV hat sich bitter fortgesetzt und lässt nun Zweifel an der Einstellung der Spieler aufkommen.

Uli Hoeneß prophezeite nach dem 1:2 gegen Hamburg, dass solch eine Leistung gegen Milan nicht ausreichen wird und er sollte damit Recht behalten. Bis zum vergangenen Samstag dominierte München die Bundesliga fast nach Belieben, gewann 18 der 23 Spiele und leistete sich dabei nur eine einzige Niederlage, ausgerechnet im Hinspiel gegen Hamburg. War das nun der Knackpunkt? Ließen sich die Spieler zu einer laschen Spielweise hinreißen, weil die Meisterschaft schon im Sack zu sein schien? Die Antwort folgt am heutigen Samstag beim VfL Wolfsburg, wo erstmals in dieser Saison so etwas wie Moral und Kampfgeist beim Nobelclub gefragt sein wird. Der Meistertitel ist freilich trotz nur einem wirklich gutem Bundesligaspiel in diesem Jahr weiterhin nicht ernsthaft gefährdet, dazu hätte Bremen schon den Patzer der Bayern ausnutzen müssen, doch der Vorsprung kann schnell dahin schmelzen, was der Liga unerwartete Spannung bescheren würde. Wolfsburg ist - wie man so schön sagt - "heiß auf dieses Spiel". Man startete mal wieder als UEFA-Cup-Aspirant in die Saison und man fiel mal wieder tief, der ganz normale Bundesligaalltag in einer Stadt, in der Schein und Sein weit auseinander liegen. Jetzt konnte man mit vier Punkten aus den letzten beiden Spielen zumindest den 13. Tabellenplatz konservieren, sonst wäre der Abstiegskampf offiziell eingeläutet und das möchte bekanntlich keiner. Fest steht jedenfalls, dass Wolfsburg in diesem Spiel nichts zu verlieren hat und so eine Überraschung in der Luft liegen könnte. Die Bayern wollen von all dem nichts wissen, Magath will sein Team leidenschaftlicher als zuletzt sehen und dazu kennt man München zu genau, als dass nach zwei Niederlagen nun nicht bei einem Verein wie Wolfsburg gewonnen werden würde.

Werder Bremen hofft natürlich trotzdem auf einen weiteren Ausrutscher (oder tatsächlich einer Krise?) des Kontrahenten, muss dazu aber das vermeintlich leichte Spiel gegen Hertha BSC Berlin gewinnen. Im Gegensatz zu den Bayern schied man nicht kläglich, sondern mit erhobenen Hauptes aus der Champions League aus, erfightete sich tapfer einen Hinspielsieg gegen Juventus Turin und hielt auch im "Delle Alpi" lange Zeit gut mit, ehe das bekannte und nicht weiter zu erläuternde Ende alle Träume zerstörte. Moralisch ist das Team also voll da, wird sich trotz allem auf seinen Keeper verlassen und kann sich jetzt wenigstens voll auf den Ligaalltag konzentrieren. Berlin macht das seit dem UEFA-Cup-Aus ebenfalls, hat aber seinerseits eine Serie von neun sieglosen Spielen in Folge vorzuweisen und ist nach dem Kölner Sieg am vergangenen Spieltag das Sorgenkind Nummer 1 der Liga. Da ist es umso löblicher, dass entgegen allen Gepflogenheiten des Fußballgeschäfts der (zugegeben stark umstrittene) Vorstand zu seinem Trainer hält und Falko Götz nach dem 2:4 gegen Köln nicht seines Postens enthoben hat. Dieses Vertrauen wird sich jedenfalls - und das wissen alle - bei weiteren Misserfolgen nicht lange halten lassen und so muss die Mannschaft endlich mitziehen, um den Knoten zum Platzen zu bringen.

Hinter Bayern und Bremen stehen Hamburg und Schalke. Beide bekommen nach ihren UEFA-Cup-Niederlagen einen Tag länger zur Regeneration und bestreiten ihre Spiele erst am Sonntag. Für Hamburg heißt es gegen Kaiserslautern "Alles auf Sieg", andernfalls wäre der Sieg in München unnütz gewesen, hat man doch gerade wieder mit Bremen gleichgezogen. Schalke empfängt Frankfurt, hat nach dem 0:6 im DFB-Pokal noch eine Rechnung offen und will jetzt, da mit Slomka die Schranke nach oben gebrochen ist, mit viel Selbstbewusstsein noch eine Rolle im Titelkampf spielen. Man muss sich vor Augen führen, dass München zwar mit acht Punkten führt und realistisch betrachtet kaum noch nicht Meister werden kann, aber die drei Teams dahinter sind dicht beieinander und so würde Deutschland bei zwei bis drei weiteren Bayernniederlagen einen phänomenalen Vierkampf um den Meistertitel erleben. Gut, träumen wird erlaubt sein, aber bleiben wir realistisch, Schalke hat die lange Zeit harte Mauer zu Rang drei nach und nach zerstört und blickt nun optimistisch auf einen Champions League-Rang, gegen Frankfurt muss man aber auf Lincoln und Poulsen verzichten.

Der 25. Spieltag verspricht auch an den beiden anderen neuralgischen Tabellenpunkten einiges an Spannung, der Kampf um den letzten UEFA-Cup-Platz ist völlig offen und auch die drei abzusteigenden Teams sind noch längst nicht namentlich gekennzeichnet. Aktuell ist der VfB Stuttgart nach langer Leidenszeit Inhaber des so wichtigen fünften Tabellenplatzes, muss diesen nun gegen Borussia Dortmund verteidigen. Für die Westfalen ist das Spiel in der Schwabenmetropole fast schon die letzte Chance, um auf realistischem Wege noch die Direktqualifikation zu schaffen, doch auch mit dem UI-Cup wie im letzten Jahr wäre man zufrieden, schließlich lautet das Saisonziel "Platz 12" und so hat man dann auch wenig zu verlieren, von Druck auf die Jugendelf ganz zu schweigen. Leverkusen muss sich mit Bielefeld messen, für Gladbach geht es nach Mainz und zu guter Letzt möchte Hannover seine Chancen gegen Duisburg wahren. Bei den Niedersachsen ist es interessant zu beobachten, wie sich der Kopf auch auf die Beine überträgt. Unter Lienen gurkte man so vor sich hin, doch kaum war Neururer da, gab es eine Erfolgsserie von zehn Spiele ohne Niederlage und die nie erhoffte Chance auf den UEFA-Cup. Dann jedoch verlor man in Wolfsburg, sackte in der engen Tabelle um ein paar Plätze nach unten, womit die Moral abhanden kam und folglich auch direkt das nächste Spiel verloren wurde. Gegen Duisburg ist man nun in ähnlicher Lage wie Dortmund: gewinnt man nicht, hat man es neutral gesehen nicht mehr in eigener Hand.

Das Sechs-Punkte-Spiel™ des Spieltags geht in Köln über die Bühne. Der Gegner aus Nürnberg hat in diesem Jahr die wichtigen Spiele erfolgreich bestritten und vor allem mit dem 3:0 gegen Mitkonkurrent Duisburg in der Vorwoche eine gute Ausgangsposition für die letzten zehn Spieltage geschaffen. Drei Punkte steht man nun vor dem verhassten 16. Platz und möchte am liebsten sechs draus machen. Es wird interessant sein zu erleben, wie Köln nach dem grandiosen Ende der Pleitenserie in dieses Spiel geht. 18 Spiele in Folge konnte man nicht gewinnen, wusste zwischenzeitlich sogar auch mal zu überzeugen, hatte dann aber jeweils Pech. Nun konnte man gegen Berlin gewinnen, Lukas Podolski trifft wieder und in der euphorischsten Bundesligastadt Deutschlands sprechen einige schon vom UI-Cup. Vor allem die Presse wurde vorerst zum Schweigen gebracht, sodass sich die Mannschaft von Hanspeter Latour konzentriert auf das so wichtige Spiel gegen Nürnberg vorbereiten konnte und womöglich den Grundstein für eine weite Reise zum rettenden Ufer legen kann. Die Statistik spricht klar für Köln, schließlich konnte Nürnberg in der Bundesliga seit 1962 erst zweimal in der Rheinmetropole gewinnen. Die letzten beiden Male...

11. März 2006 - Marcel Hermes

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