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Vorschau zum siebzehnten Spieltag

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Wenn am Sonntag im Topspiel Bremen und Hamburg ihr Ergebnis gefunden haben, geht die Liga nach 153 Spielen und etwas über 412 Toren in die Winterpause. Im Schnitt liegt dieser Wert am unteren Rand der Ligageschichte, was angesichts einiger hohen Siege doch ein wenig überrascht. Die Vereine müssen sich also in der Rückrunde ranhalten, um den Rekord von 1984 zu brechen.

Damals fielen in den 306 Spielen ganze 1097 Tore, was für die Fans 3,58 Treffer pro Spiel bedeutete. Diese Saison wird der Rekord wohl nicht überboten, dabei gab es bislang schon drei Spiele mit sechs Treffern für ein Team (Bremen-Nürnberg 6:2, Frankfurt-Köln 6:3 und Bremen-Wolfsburg 6:1) und sechs mit deren fünf (Bremen-Bielefeld 5:2, Lautern-Duisburg 5:3, Hannover-Lautern 5:1, Mainz-Wolfsburg 5:1, Leverkusen-Bayern 2:5 und Lautern-Bremen 1:5). Neun Spiele also insgesamt und es verwundert nicht weiter, dass viermal Werder Bremen vertreten ist. Die Hansestädter waren in der Hinrunde das Team der Torfestivals, überzeugten durch eine kreative und schlagkräftige Offensive und sind so mit derzeit 45 erzielten Treffern Ligaspitze, Bayern München als Zweiter hat ganz zwölf weniger. Dass es für Bremen bislang nur zu Rang drei reicht, kann daher nur an der löchrigen und teils unterirdischen Abwehr liegen, die in entscheidenden Momenten immer wieder Punkte verschenkte. Nun steht das letzte Ligaspiel des Jahres an, zu Gast im Weserstadion ist kein geringerer als der alte Rivale vom Hamburger SV. Deren Erfolgsgeschichte entbehrt nicht einer gewissen Überraschung, immerhin war mit Hamburg in den Vorjahren nie viel los und so keimte selten so etwas wie eine Spitzenmannschaft auf. Doch in diesem Jahr ist das anders, der HSV rangiert als Bayernverfolger Nummer eins auf Platz zwei und möchte nach Möglichkeit vor Weihnachten auch bis auf einen Zähler ran an den Rekordmeister. So fiebert nahezu der komplette Norden auf Sonntag hin, wenn sich die beiden Stadtstaaten zum nunmehr 42. Mal in Bremen treffen. Hamburg hätte nichts dagegen, zu den bislang gerade einmal acht Gegentreffern keinen hinzu zu bekommen, muss aber nach wie vor ohne van der Vaart und Wächter auflaufen, am Donnerstag verletzte sich zudem Mpenza. Bei Bremen wird Klasnic mit Trainingsrückstand zunächst auf der Bank sitzen, die Personalien sind vor dem Derby in etwa ausgeglichen. So erwartet Fußballdeutschland ein heißes Nordderby mit echtem Entscheidungscharakter und lässt so die Winterpause hoffentlich schnell vorbeiziehen.

In einer anderen Statistik ist diese Saison schon jetzt absolute Spitze, über 40.000 Zuschauer kamen im Schnitt in die Stadien, was einen erneuten Rekordwert zum Saisonende vermuten lässt. Zunächst fiel die 10-Millionen-Grenze, dann waren es 11, dann 11,5 und jetzt sind sogar 12 Millionen Besucher möglich, immerhin doppelt so viel wie in den besuchsarmen Spielzeiten. Einen nicht unerheblichen Teil trägt Borussia Dortmund dazu bei und auch an diesem Samstag wird der Signal Iduna Park über 80.000 Fans beherbergen. Mittlerweile muss man zwar fast sagen, dass die Auseinandersetzung mit Bayern München das Duell der Neunziger war, womit impliziert ist, dass sie aktuell etwas an Fahrt verloren hat. München ist oben wie eh und je, doch Dortmund kommt trotz eines Zwischenhochs noch nicht ganz wieder an die Ligaspitze heran. Dennoch wird auch diesmal Brisanz geboten sein, immerhin ist der BVB seinen Fans nach den Schlappen gegen Hannover und Frankfurt etwas schuldig und an Prestige ist das Spiel sicher nicht zu überbieten. Ein kleiner Wehrmutstropfen gibt es aber doch, denn mit Rosicky und Ballack sind gleich beide Spielgestalter gesperrt, der Partie wäre es ganz sicher besser bekommen, wenn beide hätten auflaufen dürfen. So aber müssen beide Trainer umstellen, Felix Magath hat damit kaum Schwierigkeiten, gab es diese Situation doch schön des Öfteren. Für Bert van Marwijk wird es da schon etwas komplizierter, zwar macht der Holländer alles Menschenmögliche und führt seinen Kindergarten zu ungeahnten Höhenflügen, aber so langsam wird die Personaldecke dann doch dünn. Ein Dutzend Spieler laboriert an irgendetwas herum, die Ersatzbank wird auch in dieser Woche mit Amateuren bestückt sein, vermutlich kommt Uwe Hünemeier zu seinem Bundesligadebüt. So muss man den Borussen Glück wünschen, damit die Liga auch im kommenden Jahr spannend bleibt, letztlich werden die Bayern aber auch dieses Spiel gewinnen.

In den weiteren Spielen des 17. Spieltags wollen sich naturgemäß alle Mannschaften einen Dreier zu Weihnachten gönnen, Berlin spielt im zweiten Sonntagsspiel gegen Nürnberg, einen Tag vorher kämpfen Bielefeld und Köln gegen den Abstieg, Ähnliches trifft für Mainz und Duisburg zu, Gladbach gegen Frankfurt sowie Leverkusen gegen Hannover gelten eher als Mittelfeldduell. Verbleiben also noch zwei Partien, interessant wird ganz sicher Kaiserslautern gegen Wolfsburg im direkten Aufeinandertreffen der Freifallclubs. Lautern ist nach ordentlichem Start auf dem letzten Tabellenplatz angelangt und wird vermutlich mit der Roten Laterne überwintern, Wolfsburg hatte große Ambitionen, steht nun nach sieben sieglosen Spielen auf Rang 12. Besonders bitter bleibt die 1:5-Klatsche gegen Mainz in Erinnerung, die knappe Niederlage gegen Stuttgart war dahingegen eher Bundesligaalltag. Der Verein scheint zu Trainer Fach zu stehen und möchte mit frischem Wind ein weiteres Mal die Saison retten, kann aber schon jetzt eine erneut negative Saisonbilanz ziehen. So fordert also Manager Strunz nicht weniger als drei Punkte, was auf der anderen Seite freilich nicht anders aussieht. Dort stehen sogar sechs Spiele mehr ohne Sieg in Folge auf dem Papier, kurz vor Saisonhalbzeit ist die Punktebilanz gar noch einstellig. Wer sich in diesem Spiel durchsetzt ist recht offen, der Verlierer wird jedoch in jedem Fall schlechter schlafen können. Bleibt zum Schluss der Blick auf den guten alten Schalke 04, der unter der Woche eine weitere Posse in der possenreichen Vereinsgeschichte aufzog. Rudi Assauer konnte sich gegen Ralf Rangnick durchsetzen, der eigentlich recht erfolgreiche Coach wurde vor die Tür gesetzt, nachdem er zuvor seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt gegeben hatte und mit einer fragwürdigen Ehrenrunde seine Entlassung besiegelte. Jetzt stehen die Knappen vor Weihnachten ohne Übungsleiter da, Oliver Reck betreut die Mannschaft gegen Stuttgart, ein Neuanfang zu Neujahr ist unvermeidlich. Gegner am Samstag ist der nicht minder kriselnde VfB Stuttgart, der aber mittlerweile an den UEFA-Cup-Rängen anklopft und sich eher über die Pause ärgern muss. Nach schwerem Start kam der Schwabenbummelzug allmählich ins Rollen und verstand Trainer Trapattoni immer mehr, nun soll zu Hause gegen Schalke ein versöhnlicher Abschluss gefunden werden.

16. Dezember 2005 - Marcel Hermes

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